Schön schräg

Erlaubt ist, was gefällt: Seit dem ersten Erscheinen des BMW X6 im Jahr 2008 nimmt die Zahl der so genannten SUV-Coupes stetig zu. Schrägheck statt Steilheck, das verkauft sich gut auf den internationalen Märkten. Um diese Nachfrage auch mit Batterie-elektrischen Autos abzudecken, präsentiert Audi jetzt den e-tron Sportback. Er kommt als 55 quattro mit 95 Kilowattstunden (kWh) Batteriekapazität oder als 50 quattro mit 71 kWh. Außerdem ist der e-tron Sportback mit digitalen Matrix LED-Scheinwerfern bestellbar.

Wie üblich in diesem Segment sind die Außenmaße großzügig: Der Audi e-tron Sportback ist 4,90 Meter lang, 1,94 Meter breit und 1,62 Meter hoch. Nichts für enge Parkhäuser. Eher für die gelassene Überlandfahrt. Vielleicht auch für die Autobahn. Die im Vergleich zum konventionellen e-tron leicht verbesserte Aerodynamik (cW: 0,25) soll zu zehn Kilometern (km) mehr Reichweite im WLTP-Zyklus führen soll. Der vorläufige Wert: 448 km. Und wie gehabt lassen sich virtuelle Außenspiegel ordern.

Hohe Leistung fürs Beschleunigen – und fürs Bremsen

Zu den Motor- und Batterievarianten: Der e-tron Sportback 55 quattro hat 95 kWh Bruttokapazität, von denen netto 86,5 kWh tatsächlich zur Verfügung stehen. Die Systemleistung der Elektromotoren an den Achsen beträgt 300 kW und 664 Newtonmeter (Nm) im maximal achtsekündigen Boost-Modus sowie 265 kW und 561 Nm Drehmoment im Normalbetrieb. Genug, um den e-tron Sportback in 6,6 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen. Bei 200 km/h riegelt die Elektronik ab.

Interessant: Audi gibt auch die Rekuperationsleistung an, also die Daten zur Bremsenergierückgewinnung. Sie beträgt 220 kW mit maximal 300 Nm. Ein sehr hoher Wert, der erst bei Verzögerungen über 0,3 g den Einsatz der Scheibenbremsen notwendig macht.

Dass der Audi e-tron kein Elektroauto fürs Hypermiling ist, hat sich herumgesprochen. Aber er hat vier getrennt regelbare Kühlkreisläufe, die unter anderem eine dauerhaft hohe Ladeleistung von bis zu 150 kW sicherstellen. Ein lebenspraktischer Vorteil, den heise Autos bestätigen kann. Und wer ohnehin keine Reisen plant, könnte auch mit dem e-tron Sportback 50 quattro zufrieden sein.

22 kW-Doppellader ab Sommer

Der „kleine“ e-tron Sportback hat brutto 71 kWh und netto 64,7 kWh Batteriekapazität. Die Normreichweite beträgt 347 km, und die Systemleistung liegt bei 230 kW sowie 540 Nm Drehmoment. Die Fahrwerte unterscheiden sich minimal: 6,8 Sekunden vergehen bis 100 km/h, und die Spitzengeschwindigkeit wird bei 190 km/h elektronisch begrenzt. Für viele Länder mehr als genug – zum Beispiel, wenn man tagsüber in den Niederlanden unterwegs ist. Immerhin: Die Batterie des 50 quattro kann mit bis zu 120 kW Leistung Gleichstrom laden und wiegt 120 kg weniger als im 55 quattro. Beiden gemeinsam ist die serienmäßige dreiphasige AC-Ladeleistung von elf kW sowie ab Sommer 2020 ein optionales 22 kW-Ladegerät.

Der Verkauf des Audi e-tron startet im Frühjahr mit einer üppig ausgestatteten „edition one“ ab 71.350 Euro. Das Sondermodell ist in Plasmablau lackiert, hat das S-Line Exterieur und die virtuellen Außenspiegel. Dazu kommen neben 21-Zollfelgen unter anderem eine Lederausstattung, ein Panoramaglasdach, ein Soundsystem vom Bang & Olufsen, das sehr gut funktionierende Fahrassistenzpaket Tour sowie Matrix LED-Scheinwerfer.

Beamer-ähnliche LED-Scheinwerfer

Es lohnt sich, diese digitalen Matrix LED-Scheinwerfer genauer zu betrachten: Sie arbeiten mit einem Digital Micromirror Device (DMD), also vereinfacht gesagt mit einem Chip, der eine Million Mikrospiegel mit einer Kantenlänge von einigen Hundertstel Millimetern steuert. Eine Technik, die von Beamern bekannt ist. Über elektrostatische Felder lassen sich diese Spiegel bis zu 5.000 Mal pro Sekunde kippen. Je nach Stellung gelangt das Licht entweder über die Linsen auf die Straße, oder es wird in einem Absorber geschluckt, um Ausblendungen etwa für den Gegenverkehr zu erzeugen.

Der Wettbewerb um die besten Scheinwerfer geht damit in die nächste Runde. BMW setzt auf Laserlicht, Audi auf Matrix LED. Die Anwendungsbereiche sind vielfältig und leicht verständlich, wenn man im Hinterkopf behält, dass es eine Beamer-ähnliche Lösung ist: Eine neue Funktion soll zum Beispiel das „Spur- und Orientierungslicht“ sein. Es erzeugt auf Schnellstraßen einen Lichtteppich, der die eigene Spur stark ausleuchtet und beim Fahrstreifenwechsel dynamisch angepasst wird. Und das Orientierungslicht zeigt mit dunklen, vom Licht ausgesparten Verläufen vorausschauend die Position des Fahrzeugs im Fahrstreifen an und unterstützt so – insbesondere auf engen Straßen oder in Baustellen – die sichere Spurmittenführung.

Das wichtigste Kaufargument für den Audi e-tron Sportback aber dürfte die Karosserieform in Verbindung mit dem Batterie-elektrischen Antrieb sein. Bei der Marke mit den vier Ringen ist man aufgewacht, und wahrscheinlich ist die Kombination aus SUV-Coupe und E-Motor für etliche Kunden attraktiver, als es die Kritiker dieser Bauart vermuten.

Erschienen bei heise Autos.

Bildquelle: Audi

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