Frischzellenkur

Nissan arbeitet die Batterie des Leafs für 2.300 Euro auf

Zu viel Materialverbrauch und zu wenig Dauerhaltbarkeit: Nissan setzt der Kritik an der Batterie des Elektroautos mit der Aufarbeitung gebrauchter Speicher ein entscheidendes Argument entgegen. Für umgerechnet 2.300 Euro bekommen Besitzer eines Nissan Leaf I eine erneuerte 24 kWh-Batterie; den alten Akku geben sie im Tausch an das Unternehmen zurück. Zum Vergleich: Eine völlig neue Batterie kostet in Japan umgerechnet 4.944 Euro in der 24 kWh-Version, 6.084 Euro für die 30 kWh- und 6.236 Euro für die 40 kWh-Version im aktuellen Leaf II. Das Programm startet im Mai. Ob auch europäische Kunden davon profitieren, ist noch nicht bekannt.

Mit der preisgünstigen Aufarbeitung steigert Nissan automatisch die Wertstabilität des Leafs. Über sieben Jahre nach der Premiere läuft bei immer mehr Modellen die Garantie von anfangs fünf und später acht Jahren aus. Zwar zeigt die Lebenswirklichkeit von weit über 300.000 weltweit verkauften Leaf, dass es so gut wie keine Schäden gibt. Trotzdem ist es möglich, dass das Drumherum – die Karosserie oder die Innenausstattung – länger hält als die Batterie. Weil aber kein Auto für die Ewigkeit ausgelegt ist, kann die Investition in eine Überarbeitung die intelligenteste Lösung sein. Dazu kommt, dass Gebrauchtwagenbesitzer häufig genau auf die Kosten achten müssen.

Die Aufarbeitung, von Nissan Refabrication genannt, ist zutiefst sinnvoll. Das Joint-Venture 4R Energy, gegründet vom Nissan und dem japanischen Großkonzern Sumitomo, wird die komplette Wertschöpfungskette bei der Weiterverwertung abdecken. Das Werk von 4R Energy steht in Namie, einer vom Tsunami 2011 stark zerstörten Stadt. Neben der Refabrication ist der Re-Use und das Recycling vorgesehen.

Kalendarische und zyklische Alterung

Diese Begriffe tauchen im Zusammenhang mit Traktionsbatterien von Elektroautos regelmäßig auf: Der elektrochemische Speicher verschleißt sowohl kalendarisch als auch nach Ladezyklen. Als Folge sinken die Kapazität und die Reichweite. Je nach Hersteller ist eine Batterie mit 66 bis 75 Prozent der Ausgangskapazität reif für den Ersatz.

Damit ist sie aber keineswegs technisch defekt – lediglich die Nutzung als Traktionsbatterie gilt als nicht mehr zumutbar. Als stationärer Speicher für den Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage dagegen ist der Betrieb noch lange möglich. Fachkreise gehen von 20 und mehr Jahren Lebensdauer aus, bevor vom Totalverlust gesprochen werden kann. Diese Weiterverwendung (Re-use) macht jeden Akku zu einem werthaltigen Produkt.

Ein Batteriesystem kann meistens wie im Nissan Leaf mit wenigen Handgriffen nach unten aus dem Fahrzeug herausgenommen werden. Das System besteht aus einer mehrstufigen Verpackung, der Steuerung und manchmal der Kühlung. Kleinstes Element ist die einzelne Zelle. Tesla etwa arbeitet mit Rundzellen. Viele andere Hersteller wie Volkswagen bevorzugen die prismatische Form – eine Art Schachtel – oder die weiche Pouchzelle (engl. pouch: der Beutel).

Eine Industrie der Verwertung entsteht

Die Gesamtbatterie kann aus mehreren hundert oder sogar mehreren tausend Einzelzellen bestehen. Wenn einige davon schwach werden, hemmen sie die Leistungsfähigkeit. Eine Aufarbeitung (Nissan: Refabrication, Daimler: Remanufacturing) beginnt mit dem Zerlegen des Batteriesystems und der Prüfung: Kaputte oder eingeschränkte Einzelzellen werden ersetzt. Alle Komponenten werden gereinigt und erneut zusammengefügt.

Die Autohersteller markieren und registrieren grundsätzlich alle Bauteile einer neuen Batterie. So können sie exakt zurückverfolgen, von wem eine Zelle stammt und wo sie verbleibt. Noch ist die Zahl der Rückläufer gering. Mittelfristig wird sich hier jedoch eine eigene Industrie entwickeln, die ausgemusterte Batterien von Elektroautos verwendet. Erst am Ende dieser Kette steht das Recycling, also die Auftrennung in die unterschiedlichen Ausgangsmaterialien wie Stahl, Kupfer, Kobalt oder Lithium.

Nissan hat mit dem Austauschprogramm einen sehr wichtigen Anfang gemacht. Besonders die Käufer von Second-hand Leafs werden die preisgünstige Überarbeitung schätzen. Hier wird exemplarisch deutlich, dass der Gebrauch der Batterie in einem gestaffelten Prozess betriebswirtschaftlich positiv und außerdem moralisch und strategisch ein Vorteil ist: Je weniger kritische Rohstoffe wie etwa Kobalt aus dem Kongo gefördert werden müssen, desto besser. Und anders als Kraftstoffe aus fossilen Quellen sind die Wertstoffe in der Batterie nicht nach einmaliger Verbrennung unwiederbringlich verloren. Vielmehr werden sie in einem langfristigen Kreislauf genutzt.

Erschienen am 27. März bei heise Autos.

Bildquelle: Nissan

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