Der Golf-Hybrid

Volkswagen stellt einen Riemen-Startergenerator mit 48-Volt-Netz vor

Volkswagen elektrifiziert die Massen: Auf dem Wiener Motorensymposium konkretisieren die Wolfsburger Ingenieure, wie sie sich die flächendeckende Hybridisierung des Golfs vorstellen. Erstmals erwähnt Volkswagen offiziell den Golf VIII. Er debütiert 2019. Wahrscheinlich wird die achte Generation von Europas meistverkauftem Auto im ersten Halbjahr vorgestellt und nach den Sommerferien ausgeliefert. Das ist auch notwendig, denn zum 1. September müssen alle neu zugelassenen Pkw die Abgasnorm Euro 6d-TEMP erfüllen. Gleichzeitig müssen die Antriebe im Golf VIII sparsam genug sein, um den CO2-Flottengrenzwerte von 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zu unterbieten. Und hierzu wird ein 48-Volt-Mildhybrid den wesentlichen Baustein liefern.

Neben dem klassischen 12-Volt-Bordnetz wird der Mildhybrid ein zweites 48-Volt-Netz haben. Die höhere Spannung ermöglicht kleinere Leitungsquerschnitte bei niedrigerem Gewicht, und mit 48 Volt kann beim Bremsen mehr elektrische Energie zurückgewonnen werden. Diese Rekuperation ist der Kern der Hybridisierung. Der in einer Pufferbatterie – Volkswagen hatte heise Autos zuletzt einen sehr kompakten Lithium-Ionenakku mit rund einer Kilowattstunde Kapazität gezeigt – gespeicherte Strom wird unter anderem beim Beschleunigen genutzt.

Das 48-Volt-Mildhybridsystem von Volkswagen ist als Riemen-Startergenerator ausgelegt. Dieser Elektromotor kann vielfältige Aufgaben übernehmen: Er startet den Motor mit relativ viel Leistung, wodurch der Vorgang eher einem sanften und schnellen Anlaufen gleicht. Zusätzlich ist der Riemen-Startergenerator der Ersatz für die Lichtmaschine. Beim Beschleunigen wiederum wirkt die Kraft des E-Motors direkt auf die Kurbelwelle, woraus sich vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten und Drehzahlen ein deutlicher Kraftzuwachs ergibt („Boosten“).

Interessantes Detail: Die Pufferbatterie versorgt über einen DC/DC-Wandler auch das 12-Volt-Netz mit Strom. Nach unserem Verständnis bedeutet das, dass es anders als bei den Toyota-Hybriden keine konventionelle 12-Volt-Batterie mehr geben wird.

„Segeln“ mit Riemen-Startergenerator

Riemen-Startergeneratoren können unterschiedlich ausgelegt werden. Volkswagen setzt wie in der Vergangenheit aufs Segeln, also auf das Ausschalten und Abkoppeln des Verbrennungsmotors. Das kann entweder wie bisher mit einem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) erfolgen. Aus technischer Sicht ist auch eine elektronisch gesteuerte Kupplung („e-Clutch“) mit Schaltgetriebe vorstellbar. Ob eine solche Lösung in Serie kommt, verrät Volkswagen noch nicht. Die Ersparnis durchs Segeln soll bei 0,3 Litern auf 100 Kilometer liegen.

Ebenfalls offen lässt Volkswagen die Frage, ob der 48-Volt-Mildhybrid ausschließlich für TSI- oder auch für TDI-Motoren plant. Anzunehmen ist, dass der Fokus auf dem TSI liegt und das bei den Drei- und Vierzylindern. Die Verbindung aus Selbstzünder, unvermeidlich kostenintensiver Abgasreinigung plus einem preistreibenden Hybridsystem ist machbar und trotzdem wohl nur die zweite Wahl.

Mit dem Start des Golf VIII spreizt Volkswagen die Modellfamilien auf: Fürs rein elektrische Fahren sind die I.D.-Modelle zuständig. Sie könnten bis 2025 einen Marktanteil von 25 Prozent haben. Das bedeutet zugleich, dass die Elektrifizierung der konventionellen Fahrzeuge das Gros betrifft. Und das gilt nicht nur für den Golf.

48-Volt-Mildhybride im gesamten Konzern

So ist nach der Sommerpause 2018 ein großes Facelift des Passats zu erwarten. Neben der Überarbeitung der TDI-Motoren für die Euro 6d-TEMP dürfte auch hier die Hybridisierung mit einem Riemen-Startegenerator zum Einsatz kommen. Der Volkswagen Konzern folgt der traditionellen Top-Down-Logik: Mit kleinen Stückzahlen in teureren Autos anfangen. Der neue Audi A6 markiert hier den Startpunkt, denn sämtliche Verbrennungsmotoren haben ein 48-Volt-Mildhybridsystem. Der Volkswagen Passat ist chronologisch das nächste Modell, bevor 2019 der Golf elektrifiziert wird.

Die elektrische Unterstützung ist aus technischer Perspektive für alle Kraftstoffe möglich. Für den TSI mit Superbenzin, den TDI mit Dieselkraftstoff und den Erdgas-betriebenen TGI, dessen nächste Ausbaustufe mit jetzt 1,5 Litern Hubraum gleichfalls auf dem Wiener Motorensymposium präsentiert wird.

Erschienen am 26. April bei heise Autos.

Bildquelle: Volkswagen

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