Sonnen-Kraft-Werk

Der BMW i8 Roadster ist der ideelle Nachfolger des M1

„Ist das ein Prototyp – und wann kommt der auf den Markt?“, fragt ein gut gekleideter Herr auf einem Parkplatz an der Autobahn A27. Der BMW i8 Roadster weckt bei vielen Menschen die Neugierde. Die Antwort: Diese offene Variante ist seit Mai erhältlich. Der i8 dagegen schon seit 2014. Bei der Weiterfahrt Richtung Cuxhaven startet der BMW elektrisch. Erst auf dem Beschleunigungsstreifen springt der Verbrennungsmotor an, und mit Macht geht es nach Norden.

Der BMW i8 Roadster ist eine faszinierende Technikkomposition: Die Vorderachse wird von einem Elektromotor angetrieben. Er leistet jetzt 105 kW (143 PS) statt wie bisher 96 kW (131 PS). Die gestiegene Leistung ist das Abfallprodukt der höheren Batteriekapazität; analog zum i3 bekam das System andere Zellen. Im Ergebnis wächst die gespeicherte Energiemenge von 7,1 kWh brutto auf jetzt 11,6 kWh. Die Reichweite im Modus e-Drive beträgt nach Normzyklus 53 Kilometer, wovon 40 km ohne Verrenkungen real erreichbar sind.

Elektrischer Cruiser und effizienter Sportwagen

Im Sommer wird der i8 Roadster so zum Cruiser. The sun is not your enemy. Wer den Schalter zum Öffnen des Dachs sucht: Er ist in einem Fach vorm Schalthebel untergebracht. Bei geschlossenem Verdeck wiederum kann die Heckscheibe über einen Knopf neben dem Innenspiegel separat versenkt werden. Das war während des Testzeitraums die angenehmste Position. Frischluft strömt herein, und dazu ist die akustische Abschottung von der Außenwelt geringer. Angenehm.

Wenn die Kapazität der Batterie erschöpft ist oder nicht bewusst der e-Drive Modus gewählt wurde, fährt der i8 hybridisch. Bei niedrigen Geschwindigkeiten oder geringer Last schweigt der Verbrennungsmotor, der vor der Hinterachse sitzt. Wenn er gebraucht wird, lässt ihn ein über zehn kW starker Startergenerator im Riementrieb an. Dieser hilfreiche Elektromotor kann auch Bremsenergie zurückgewinnen und außerdem mit über 100 Nm direkt auf die Kurbelwelle boosten.

Der Dreizylindermotor mit 1,5 Litern Hubraum überträgt seine Kraft über ein 6-Gang-Automatikgetriebe an die Hinterachse. Er addiert zur Power der vorderen E-Maschine weitere 170 kW (231 PS), woraus sich eine maximale Systemleistung von 275 kW (374 kW) ergibt. Genug, um den inklusive EU-Normfahrer 1.670 kg schweren i8 Roadster in 4,6 Sekunden auf 100 km/h zu beschleunigen. Das mag beim Autoquartett nicht mehr die Spitze des Möglichen sein, im Alltag ist es jederzeit mehr als ausreichend. Speziell im Sportmodus, der durch Ziehen des Schalthebels nach links aktiviert wird, hämmert der i8 ordentlich nach vorne.

Das Package aus guter Aerodynamik (cW 0,28 * A 2,15), hybridem Antriebsstrang und wegen der CFK-Karosserie erträglichem Gewicht sorgt für einen geringen Kraftstoffverbrauch. Für Plug-in Hybride geben wir bei heise Autos immer auch den gesetzlichen Normwert an, der bei genau zwei Litern (entsprechend 46 g CO2/km) Superbenzin und 14,5 kWh Strom liegt. Die Mischformel ist allerdings weniger interessant als der tatsächliche, für die jeweilige Energiequelle auf 100 km hochgerechnete Konsum: Mit Ottomotor lag der Durchschnittswert bei 6,7 Litern. Minimal waren es im Überlandbetrieb vier Liter; wer unbedingt über zehn Liter erreichen will, muss entweder sehr schnell auf der Autobahn geradeaus fahren oder sich weit jenseits des Erlaubten bewegen. Im Strommodus lag der Verbrauch bei 22 kWh / 100 km. Beide Werte sind sehr respektabel.

BMW i8, umgedreht

Übrigens: Die BMW Group bietet den gleichen Antriebsstrang in zwei Autotypen auch für Kunden an, die den Grundpreis von 155.000 Euro nicht zahlen können oder wollen. Nur um 180 Grad gedreht, also mit dem Verbrennungsmotor an der Vorder- und dem Elektromotor an der Hinterachse: Der BMW 225xe iPerformance Active Tourer ist ab 39.650 Euro zu haben. Und der Mini Countryman E All4 kostet ab 37.500 Euro. Diese beiden Modelle werden von Staat und Unternehmen mit 3.000 Euro gefördert („E-Prämie“), weil sie im Gegensatz zum i8 Roadster einen Grundpreis von 60.000 Euro netto nicht überschreiten.

Eine gute Lösung im i8 Roadster sind die Flügeltüren. Sie sehen spektakulär aus und bringen einen praktischen Nutzen: In engen Parklücken ist das Aussteigen leichter als es bei gleich langen konventionellen Türen möglich wäre. Es kann sich auch lohnen, mit offenen Flügeltüren zu rangieren, weil das menschliche Auge manchmal doch besser ist als die Rundum-Kameras und Sensoren. Und auch das Einsteigen bereitet trotz der geringen Höhe von 1,29 Meter und des Schwellers mit Sichtkarbon keine Probleme: Lassen Sie sich mit dem unteren Rücken zuerst reinfallen und ziehen Sie die Beine nach.

Mit dem i8 Roadster hat BMW einen käuflichen Technologieträger geschaffen. Mehrere hundert Kunden haben sich 2018 in Deutschland für diese moderne Interpretation des M1 entschieden. Sie haben ein Auto erworben, dass vom ersten Tag an klassisch und zugleich futuristisch ist. Normalmenschen werden sich gedulden müssen, wenn sie auf günstige Gebrauchtwagen hoffen: Das Preisniveau für frühe Coupes beginnt bei rund 70.000 Euro.

Erschienen am 2. August bei heise Autos.

Bildquelle: Christoph M. Schwarzer

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