Alternative zur Alternative

Audi stellt eine elektrische Studie mit Brennstoffzelle vor

Auf e-tron folgt h-tron. Audi stellt auf der North American International Autoshow (NAIAS) in Detroit die Studie h-tron quattro concept vor. Das Fahrzeug gleicht optisch dem Batterie-elektrischen e-tron von der IAA im September – nur das hier kein Strom geladen, sondern Wasserstoff als Energieträger getankt wird.

Die Eckdaten: Eine Brennstoffzelle mit einer Leistung von 110 kW wird mit einer Pufferbatterie kombiniert, die „kurzzeitig“ bis zu 100 zusätzliche kW addieren kann. Anders als die Studie A7 Sportback h-tron vom November 2014 ist das aktuelle Konzeptfahrzeug nicht als Plug-In-Hybrid ausgelegt. Während beim A7 h-tron eine externe Aufladung der 8,8 kWh fassenden Batterie möglich war, wird der elektrochemische Speicher nun entweder durch Rekuperation oder direkt durch die Brennstoffzelle geladen.

Das Ergebnis ist ein Spurt von weniger als sieben Sekunden auf 100 km/h; die E-Maschine an der Vorderachse leistet 90 kW, die an der Hinterachse kommt auf 140 kW. Die Tankzeit gibt Audi mit maximal vier Minuten und die Reichweite mit bis zu 600 Kilometer an.

Vier mit Stecker

Im Gegensatz zu vier anderen Fahrzeugen mit Ladestecker macht Audi-Chef Rupert Stadler allerdings keine Angabe zum Marktstart. Kommt der h-tron, kommt er nicht? Das lässt Audi offen.

Fest vorgesehen ist dagegen die Einführung der Plug-In-Hybridvarianten von A6, A7 und Q7 bis 2019. Und, noch wichtiger, für die Serienversion des Batterie-elektrischen SUVs e-tron quattro nennt Stadler ein Datum: es erscheint 2018 am Markt.

Zurzeit wird die Produktion des Tesla Model X hochgefahren – Audi lässt also mehr als zwei Jahre auf sich warten und muss noch beweisen, ob der Wagen hält, was der Name verspricht. Denn die Marke mit den vier Ringen gehört in den USA zu den Herstellern mit einem besonders guten Ruf. Das Image ist deutlich höher als das von Volkswagen oder, auf deutsche Verhältnisse übertragen, die Differenz zwischen den Konzerngeschwistern in der US-amerikanischen Kundenwahrnehmung ist größer.

Mit über 200.000 Autos (2015) stimmen auch die Absatzzahlen in den USA; weltweit hat Audi über 1,8 Millionen verkauft. Der neue A4 allroad quattro, der ebenfalls in Detroit vorgestellt wurde, soll weitere Freunde gewinnen.

Pilotiertes Fahren und Parken

Zurück zur Studie Audi h-tron quattro concept. Sie gibt einen Ausblick auf das teilautomatisierte Fahren, das die Ingolstädter pilotiert nennen. Bis 60 km/h im Stop-and-Go-Verkehr auf der Autobahn übernimmt das zentrale Fahrerassistenzsteuergerät („zFAS“) die Funktion des Menschen am Steuer. Wenn er es will. Das System, das auch Einparken kann, kommt im neuen A8 ab 2017.

Natürlich wäre das pilotierte Fahren in dieser Form kein Vorsprung durch Technik. Mutmaßlich ist während der Veranstaltung und in der Pressemeldung erst ein Teil der tatsächlichen Funktionen veröffentlicht worden – im Konkurrenzumfeld braucht man inzwischen mehr, um sich an die Spitze zu setzen. Vielleicht muss der Fahrer das System nicht mehr permanent überwachen. Dann wäre der Sprung vom teil- zum hochautomatisierten Fahren gemacht. Aber das ist eine Spekulation, die nur durch mehr Details aufgelöst werden kann.

Brauchen wir die Brennstoffzelle?

Mit der Vorstellung der Studie h-tron quattro concept beantwortet Audi die Frage, ob die mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle für das rein elektrische Auto gebraucht wird, mit einem Jein.

Man ist sich offensichtlich in der gesamten Industrie nicht wirklich sicher, wie es völlig ohne Verbrennungsmotor von A nach B gehen soll.

Die einen sagen: Die Brennstoffzelle ist überflüssig und reine Geldverschwendung, weil Batterien so schnelle Fortschritte machen werden, dass jeder investierte Euro oder Dollar oder Yen einfach Unsinn wären. Batterie-elektrische Autos sind simpel aufgebaut, und das wird sie bald billig und erfolgreich werden lassen. Tesla zum Beispiel macht das so.

Die anderen sagen: Nur das Brennstoffzellenfahrzeug hat die Chance, dem traditionellen Auto Konkurrenz zu machen, denn niemals wird die Masse der Kunden die Nachteile der Batteriewagen wie die langen Ladezeiten akzeptieren. Außerdem habe die Brennstoffzelle noch ein riesiges Entwicklungspotenzial. Das ist die Strategie zum Beispiel von Toyota.

Lehnen wir uns zurück und warten ab.

Audi jedenfalls legt sich heute nochmals auf 2018 als Erscheinungsjahr für das Batterie-elektrische SUV e-tron quattro fest. Wir nehmen Rupert Stadler beim Wort.

Bildquelle: Audi

Erschienen am 11. Januar bei heise Autos.

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