Raste und lade!

Versprechen aus Wirtschaft und Politik können misstrauisch machen. In der Welt der Batterie-elektrischen Autos zählen die Taten, nicht die Ankündigungen. Tank & Rast jedenfalls, Verpächter und Verwalter fast aller ehemals staatlichen Autobahnraststätten, setzt eine Ansage aus dem September 2015 konsequent um: In Kooperation mit dem Bundesverkehrsministerium erhält jeder der 400 Standorte bis Ende 2017 eine Schnellladesäule – und Deutschland damit eine flächendeckende Infrastruktur für lange Strecken.

Das ist eine gute Nachricht. Besitzer Batterie-elektrischer Autos werden zwar weiterhin elementar auf die Heimladung angewiesen sein. Für die können sie sich die ganze Nacht Zeit lassen. Aber auf einer weiten Tour, zum Beispiel von Frankfurt nach Hamburg, ist jede Zwangspause ein Geduldsspiel.

In kurzer Zeit muss viel Energie ins Auto. Darum sind Schnellladesäulen so wichtig. Bei Tesla funktioniert das schon. Jetzt wird sukzessive die Lösung für alle anderen Marken aufgebaut.

An wie vielen Standorten von Tank & Rast fließt bereits der Strom?

Mehr als 60 Autobahnraststätten sind mit einer Schnellladesäule versorgt, die in Betrieb ist. Eine Karte dazu gibt es auf der Website von Tank & Rast. Wenn es frostfrei bleibt, wird diese Zahl bis Silvester auf etwa 100 steigen. Das Ziel, alle 400 deutschen Standorte bis Ende 2017 zu bedienen, ist realistisch, weil Tank & Rast kaum auf Befindlichkeiten anderer Unternehmen Rücksicht nehmen muss.

Welche Elektroautos können an den Säulen laden?

Alle. Tank & Rast baut sogenannte Triple Charger auf. Sie verfügen über Stecker nach dem euro-amerikanischen CCS- und dem japanischen Chademo-Standard (beide Gleichstrom). Zusätzlich haben die Säulen als dritte Option einen Wechselstromausgang (Typ 2).

Was bedeutet schnell?

Die Ladeleistung liegt vorerst bei 50 Kilowatt für Gleichstrom und 43 für Wechselstrom. Umgerechnet in die Wirklichkeit: Ein Opel Ampera-e, der im Sommer 2017 in Deutschland auf den Markt kommt, wird in einer halben Stunde 25 Kilowattstunden geladen haben. Genug für rund 100 zügig gefahrene Autobahnkilometer.

Geht noch mehr?

Ja. Die Standorte würden für eine „baldige“ Ertüchtigung auf 150 Kilowatt vorbereitet, verspricht der Raststättenbetreiber. Sie erhalten von vornherein entsprechende Kabel und eine Trafostation. Damit würde Tank & Rast das Level von Tesla (120 bis 145 kW) leicht übertreffen. Vor 2018 gibt es aber keine Fahrzeuge, die so viel Ladeleistung umsetzen können – man macht sich also zukunftsfest.

Reicht eine Schnellladesäule pro Standort?

Falls das Batterie-elektrische Auto boomt: nein. Aber durch die Trafostation könnte jeder Standort leicht zu einem Ladepark nach dem Vorbild von Teslas Superchargern werden – dort sind bis zu acht Autos gleichzeitig am Netz.

Was kostet die Energie?

Das ist unterschiedlich. Die meisten Säulen werden zu Beginn kostenfrei sein, in Baden-Württemberg dagegen wird Geld verlangt. Die genauen Tarife stehen noch nicht fest. Pro Kilowattstunde ist mit deutlich höheren Preisen als zu Hause zu rechnen. Dadurch erreichen die Betreiber unter anderem eine Begrenzung der Standzeit, eine Blockade der Säule wird also verhindert.

Wie kann ich bezahlen?

Mit EC- oder Kreditkarte oder über spezielle E-Mobilitätsanbieter. Die Abrechnung über die Karten ist wegen ihrer hohen Verbreitung logisch und darum lobenswert. Denn leider stehen in Deutschland weiterhin viele andere Ladesäulen, die nur mit eigenen Identifikationssystemen (RFID-Chip, App et cetera) freigeschaltet werden können. Bei Tank & Rast geht das niederschwelliger und damit einfacher.

Bekommt mein Elektroauto Ökostrom?

Das kann Tank & Rast nicht garantieren. Der jeweilige lokale Versorger bestimmt, welches Angebot es gibt. In Baden-Württemberg, wo Tank & Rast mit EnBW zusammenarbeitet, wird grüner Strom verkauft.

Warum macht Tank & Rast das?

„Indem wir ein flächendeckendes Versorgungsnetz schaffen, das auch längere Fahrten ermöglicht, leisten wir einen Beitrag zum Durchbruch der E-Mobilität in Deutschland“, sagt Peter Markus Löw, Mitglied der Geschäftsführung von Tank & Rast. Das klingt altruistisch, doch natürlich kommen Geschäftsinteressen dazu: An den Autobahnraststätten wird nahezu jeder Service von der Dusche bis zum Dieselkraftstoff angeboten – und jetzt eben auch Fahrstrom.

Was kostet das, und wer bezahlt das?

Zum Geld macht Tank & Rast keine konkreten Angaben, verweist aber darauf, dass das Unternehmen sowie das Verkehrsministerium die Kosten anteilig übernehmen. Fachkreise sprechen von einer breiten Spanne, die bei rund 30.000 Euro für die reine Säule beginnt und bei bis zu 250.000 Euro für einen voll ausgerüsteten Ladepark mit kommender 150-kW-Technik endet. Eine geringe Investition, wenn man sie etwa mit den rund 70 Milliarden Euro vergleicht, die deutsche Autofahrer pro Jahr für konventionellen Sprit ausgeben – hohe Steuerlast inklusive.

Fazit: Genau so muss es gemacht werden. Die Kombination aus der Wallbox zu Hause und immer mehr Schnellladesäulen für unterwegs ebnet dem Batterie-elektrischen Auto den Weg. Die Standorte von Tank & Rast liegen strategisch perfekt an den Autobahnen. Tesla-Fahrer sind das von den Superchargern längst gewohnt.

Erschienen am 16. Dezember bei ZEIT ONLINE.

Bildquelle: Tank & Rast

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

nach oben