Der elektrische Bulli kommt

2019 bringt Volkswagen den „BUDD-e“

Was in Las Vegas passiert, bleibt in Vegas! Hoffentlich stimmt das US-amerikanische Sprichwort nicht, denn Volkswagen hat auf der Consumer Electronics Show (CES) in der größten Stadt Nevadas die Studie BUDD-e vorgestellt. Der Van gibt einen Ausblick auf Volkswagens modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Mit einer Batteriekapazität von 92,4 Kilowattstunden kommt der BUDD-e 533 Kilometer weit. Die beiden Elektromotoren – einer vorne, einer hinten – leisten zusammen 225 Kilowatt. Und das Design im Stil eines alten Bullis eröffnet eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten: Den Familienshuttle, den Camper oder den Transporter für den Handwerker. Die Studie ist ein Versprechen. Bis 2019 soll es Wirklichkeit werden.

Und der BUDD-e ist groß. Er ist breiter (1,94 Meter) als ein aktueller VW Bus. Er ist höher (1,84 Meter) als ein Sharan, aber 25 Zentimeter kürzer. Trotzdem dürfte der BUDD-e die bessere Raumökonomie haben: Sein Radstand ist mit 3,15 Metern mehr als 23 Zentimeter länger als der des Sharan. Denn im Batterie-elektrischen Van nimmt kein Verbrennungsmotor Platz weg. Unter der vorderen Haube sitzt jetzt das komplette Heiz- und Klimagerät. Hier rumpelt kein TDI mehr. Stattdessen surrt es.

Der BUDD-e ist ein Erstwagen, sagt Volkswagen

Volkswagen spricht vom Beginn einer „Ära der erschwinglichen Langstrecken-Elektromobilität“. Unterwegs ist die Batterie in 30 Minuten zu 80 Prozent geladen; eine Wartezeit, die sich mit extrem leistungsfähigen Schnellladesäulen auf 15 Minuten verkürzen kann. Zwar dürfte die im Normzyklus gemessene Reichweite von 533 Kilometern bei Autobahnrichtgeschwindigkeit auf rund 350 Kilometer abnehmen. Trotzdem oder besser: genau darum sagt Volkswagen, dass der BUDD-e ein Erstwagen ist.

Um den Stromverbrauch so niedrig wie möglich zu halten, haben die Ingenieure die Fahrwiderstände gesenkt. So verbessern Kameras an Stelle von Außenspiegeln sowie ein seitlich leicht eingezogenes Heck mit Luftleitspoilern die Aerodynamik. Und die Reifen folgen augenscheinlich dem „Large and Narrow“-Prinzip, das durch den BMW i3 bekannt wurde: Relativ schmale Reifen auf einer Felge mit üppigem Durchmesser minimieren in Kombination mit erhöhtem Druck den Rollwiderstand.

Angesichts der technischen Rahmendaten dürfte die Langstreckentauglichkeit ungefähr auf dem Niveau eines Tesla Model S liegen. Ob das gut oder schlecht ist, liegt an der Perspektive: Ja, das billigste in Deutschland erhältliche Auto, der Dacia Sandero für 6.890 Euro, hat 50 Liter Tankinhalt, die in drei Minuten aufgefüllt sind und locker für 700 Kilometer reichen. Das können Batterie-elektrische Fahrzeuge nicht bieten. Wer aber prüft, was er wirklich braucht, wird mit über 90 Kilowattstunden Batteriekapazität in vielen Nutzungsfällen ausreichend versorgt sein.

Was ist „erschwinglich“?

Schwieriger wird es für Volkswagen, dem selbst formulierten Anspruch „erschwinglich“ gerecht zu werden. Zum Vergleich: Das preisgünstigste Tesla Model S kostet ab 78.000 Euro, hat allerdings nur 70 Kilowattstunden Batteriekapazität. Wer 90 Kilowattstunden haben will, muss mindestens 98.000 Euro an die Kalifornier überweisen.

Falls Volkswagen beim BUDD-e das Preisniveau eines ordentlich ausgestatteten Sharan TDI von circa 50.000 Euro anpeilt, müssen also die Kosten für die Zellen runter. Diese sind fraglos im Sinkflug – eine Garantie für den Durchbruch innerhalb von drei Jahren gibt es dennoch nicht.

Genug der Skepsis, zurück zur Studie.

Weil der Kumpel, so die Übersetzung, auf der CES in Las Vegas vorgestellt wird, dürfen diverse elektronische Features nicht fehlen. So öffnet die seitliche Schiebetür durch eine Handbewegung vor einem Sensor. Auch im Innenraum lassen sich sämtliche Instrumente durch Gesten-, Berührungs- oder Sprachsteuerung bedienen. Schalter und Knöpfe sterben aus. An deren Stelle tritt das Display.

Ein Internetanschluss – zum Beispiel als Kontakt zum Smart Home – ist ebenso selbstverständlich wie die neuste Evolutionsstufe des Navigationssystems: Die Musik kann auf die Route angepasst werden. Der Walkürenritt für die schnelle Hatz oder lieber Adele für die nächtliche Cruisingtour durch die Stadt? Erlaubt ist, was gefällt.

Die manchmal zweifelhaften Segnungen des digitalen Fortschritts sind ohnehin nicht der Kern des Konzepts. Das ist der modulare Elektrifizierungsbaukasten des Volkswagen-Konzerns. Er wurde in unterschiedlicher Interpretation bei Audi (e-tron quattro concept) und Porsche (Mission E) bereits gezeigt, und weitere Varianten werden schnell folgen. Der BUDD-e nimmt dabei die Rolle des sympathischen Alltagsautos für Jedermann ein. Die Marke Volkswagen will die Mitte für sich gewinnen.

Um die zu erreichen, müssen die Wolfsburger vor allem eins tun: tatsächlich liefern.

Bildquelle: Volkswagen

Erschienen am 6. Januar bei ZEIT ONLINE. Weitere Beiträge zum BUDD-e bei heise Autos und ELECTRIVE.net.

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