Volkswagen präsentiert den ID. Tiguan: Das Elektroauto ist eine umfangreiche und tiefgehende Überarbeitung des ID. 4, der seit 2021 angeboten wird. Mit dem Tiguan setzt Volkswagen die Strategie fort, bekannte Namen auf die ID-Reihe zu übertragen. Das ist beim Polo passiert, jetzt ist es beim Tiguan so, und vielleicht wird es demnächst beim Passat nochmal so sein. Der ID. Tiguan ist das, was Volkswagen eine „große Produktaufwertung“ nennt: Vor allem das Design nähert sich deutlich der Formensprache der Tiguan-Modelle mit Verbrennungsmotor an. Volkswagen berücksichtigt außerdem mehrere Wünsche der Kundschaft, die beim ID. 4 unerfüllt geblieben sind.
Im Fokus steht dabei der MEB+ (für Modularer Elektrifizierungs-Baukasten): Wie bei vielen anderen Elektroautos im Volkswagen-Konzern gibt es eine Traktionsbatterie mit 58 Kilowattstunden (kWh) als kostensensible Einstiegsvariante oder eine mit 77 kWh für mehr Leistung in jeder Hinsicht.
Zwei Batteriegrößen, drei Leistungsstufen, viel höhere Anhängelast
Konkret leistet der Elektromotor APP350 in Verbindung mit der 58 kWh-Traktionsbatterie 140 Kilowatt (kW) und hat ein Drehmoment von 350 Newtonmetern. Mit diesem Heckantrieb beschleunigt der ID. Tiguan in 8,5 Sekunden auf 100 km/h und weiter bis zur Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h. Die vorläufige Reichweite liegt bei 450 Kilometern (km); die finale Homologation steht noch aus. Neu ist, dass hier robuste, sichere und dauerhaltbare LFP-Zellen eingebaut sind, die allerdings eine geringere Energiedichte haben.
Zu den Verbesserungen gehört die erheblich gestiegene Anhängelast, die nun 1.800 Kilogramm (kg) beträgt. Weitere Fortschritte sind das serienmäßige Fach unter der vorderen Haube sowie die Möglichkeit, externe elektrische Geräte mit Strom zu versorgen.
Die Traktionsbatterie mit 77 kWh Energieinhalt und performanten NMC-Zellen ist entweder mit Heckantrieb (210 kW Motorleistung, 600 km Normreichweite) oder mit Allradantrieb (220 kW, 560 km) bestellbar. Hier ist die Höchstgeschwindigkeit auf 180 km/h limitiert, und die Beschleunigung beträgt 6,6 beziehungsweise 6,3 Sekunden im 4Motion.
Die Anhängelast steigt bei diesen Varianten auf 2.000 kg. Alle ID. Tiguan haben außerdem 90 kg Stützlast sowie 75 kg Dachlast.
400 Voltsystem auf dem Niveau der Wettbewerber
Wie gehabt liegt die Spannungsebene des Batteriesystems bei 400 Volt. Der Volkswagen ID. Tiguan ist hier nicht anders aufgestellt als Konkurrenten wie der Kia EV5, der Renault Scenic oder das Tesla Model Y. Die Werte an der schnellen Gleichstrom-Ladestation (abgekürzt DC für Direct Current) sind entsprechend erwartbar: Für den Hub von zehn auf 80 Prozent vergehen 26 Minuten (58 kWh) oder 29 Minuten (77 kWh). Die höchste Ladeleistung liegt bei 105 kW (58 kWh) oder 165 kW (77 kWh). AC-seitig (für Alternating Current oder Wechselstrom) sind es durchgehend elf kW.
Außenmaße und Raumangebot haben sich gegenüber dem ID. 4 nur leicht verändert: Die Länge beträgt nun 4,62 Meter, die Breite ohne Außenspiegel 1,86 Meter und die Höhe 1,62 Meter. Das Kofferraumvolumen liegt bei 534 Litern und kann auf bis zu 1.577 Liter erweitert werden.
Haptische Bedienelemente, optionales 12-Zolldisplay für den Beifahrer
Das Armaturenbrett ist komplett neu und bietet bei Bedarf eine weitere Reminiszenz an die Vergangenheit: Auf Knopfdruck haben die Rundinstrumente das Design des Golf IV mit der für einige Menschen vertrauten blauen Beleuchtung dieser Ära. Das Zentraldisplay in der Mitte kann zusätzlich mit dem Look von Golf I, Golf II Cross Country, Tiguan I, Race Touareg oder Käfer belegt werden. Rechts für den Beifahrer gibt es außerdem gegen Aufpreis ein drittes Display; diese Marotte aus China muss offenbar jeder Hersteller ins Programm nehmen.
Sämtliche Funktionen lassen sich beim Volkswagen ID. Tiguan über haptische Elemente wie Druckschalter und Hebel bedienen. Die so genannten Slider sind Vergangenheit, und im Lenkrad gibt es keine berührungsempfindlichen Flächen mehr.
Zeitgemäße Assistenzsysteme, aber kein überwachter Selbstfahrmodus
Volkswagen hat auch die Assistenzsysteme verbessert. Das Spektrum reicht von der Möglichkeit zum One-Pedal-Drive (also der starken Bremsenergierückgewinnung bis zum Stillstand) über den Spurwechselassistenten bis zur Erkennung von roten Ampeln. Einen Ausblick auf eine automatisierte und fahrerüberwachte Start-Ziel-Führung nach Level 2++ wie Tesla FSD oder Mercedes Drive Assist Pro gibt Volkswagen noch nicht.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Volkswagen mit dem ID. Tiguan ein SUV auf den Markt bringt, das für den Rest des laufenden Jahrzehnts ein schlüssiges Gesamtpaket bildet. Mit dem Außen- und Innendesign sowie dem Namen findet die Marke wieder zu den eigenen Werten zurück. Das macht den Wechsel für jene Kunden besonders leicht, die einen Tiguan mit Verbrennungsmotor gewohnt waren. Und die werden immer mehr, weil es nur noch wenige sachliche Argumente gegen den elektrischen ID. Tiguan gibt.
Erschienen bei heise Autos.